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Einweihung des neuen Standorts für das Synagogen-Denkmal und die Verlegung von weiteren Stolpersteinen in Höchst i. Odw. findet großes Interesse - Künstler Gunter Demnig und Daniel Neumann nahmen teil
Nahezu 100 Personen fanden sich am 23. Februar auf dem Montmelianer Platz in Höchst i. Odw. ein, um an der Einweihung des neuen Standorts für das Synagogen-Denkmal und der Verlegung von neun weiteren Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig teilzunehmen, zu der der Arbeitskreis Stolpersteine und die Gemeinde Höchst i. Odw. eingeladen hatten.
Eröffnet wurde die Einweihungs-Veranstaltung durch das Lied „Die Gedanken sind frei“, das von Schülerinnen und Schülern der Ernst-Göbel-Schule unter der Leitung von Lehrer Alexander Link gesungen wurde, ehe der Sprecher des Arbeitskreises Stolpersteine, Harald Staier, die zahlreich erschienenen Gäste begrüßte. Einen besonderen Gruß richtete Harald Staier an den Künstler Gunter Demnig, der es sich mit seinen 78 Jahren nicht nehmen ließ, zur Verlegung weiterer acht Stolpersteine auf dem Bürgersteig nahe des Montmelianer Platzes, nach Höchst i. Odw. zu kommen und die Stolpersteine persönlich zu verlegen. Den ersten Stolperstein hat Gunter Demnig bereits 1992 in Köln verlegt. Mittlerweile wurden nahezu 110.000 Stolpersteine in 32 Ländern verlegt.
Ein weiterer Gruß galt dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Heesen und der Jüdischen Gemeinde in Darmstadt, Daniel Neumann, den Harald Staier zur Einweihung des Synagogen-Denkmals am neuen Standort, das an das in der Nazizeit in der Pogromnacht des 8./9. September 1938 zerstörte und 1944 vollständig abgebrochene jüdische Gotteshaus erinnert, eingeladen hatte.
Nach einem weiteren Liedvortrag blickte Harald Staier auf die Entstehung des Arbeitskreises Stolpersteine zurück und schilderte, welche Wegstrecke zurückgelegt werden musste, bis am 30.08.2023 die ersten Stolpersteine durch Gunter Demnig verlegt werden konnten. Er führte aus: „Wir sind froh, dass heute weitere Stolpersteine zum Andenken an jüdische Männer, Frauen und Kinder verlegt werden, die im September 1942 in Höchst auf Lastwagen gezwungen und zur Vernichtung abtransportiert wurden, obwohl in Höchst viele jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger unauffällig und integriert als gute Nachbarn lebten. Er hob hervor, dass Gunter Demnig mit der Herstellung und Verlegung der Stolpersteine den Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten zu Nummern degradiert und ermordet wurden, ihre Namen und damit die Erinnerung an sie, zurückgibt. Denn, so sagte Gunter Demnig: Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist und er fügte an: Man stolpert nicht über die Stolpersteine und fällt hin, sondern man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen und erinnert sich an die Opfer.“ Harald Staier mahnte deshalb eindringlich mit den Worten: „Wir dürfen nicht nachlassen, uns der schrecklichen Epoche unserer Geschichte zu erinnern. Besonders als Mahnung, das so etwas nie wieder passieren darf.“ Daraus folgert er: „Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, Rechtsextremismus und Rassismus zu bekämpfen. Wir stellen uns Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit entgegen- egal ob sie sich gegen jüdische Menschen, muslimische Frauen und Männer, Sinti und Roma oder andere Gruppen richtet. Tun wir alles, damit sich das, was wir nach der Machtergreifung der Nazis erlebt haben, niemals mehr in Deutschland ereignet.“
Auch Daniel Neumann gedachte den damaligen Gräueltaten an der jüdischen Bevölkerung in seiner frei gehaltenen Rede. Er zitierte Viktor Frankl, bei dem es nur zwei „Rassen“ gibt: “Die Anständigen und die Unanständigen“. Gerne würde Daniel Neumann „den Unanständigen die rote Karte zeigen“. Sein Ansinnen ist es, aus dem „Fundament der Erinnerungskultur“ eine individuelle und tolerante Haltung zu entwickeln, aus welcher gemeinsam eine bessere Zukunft gestaltet werden kann, in der Judenhass und Antisemitismus keinen Platz haben. Er brachte seine Freude zum Ausdruck, dass er sich in Höchst i. Odw. in einer Gemeinde befinde, die mit dem Arbeitskreis Stolpersteine die eigene Geschichte aufgearbeitet hat und an die deportierten und ermordeten Menschen erinnert und damit ein Zeichen setzt. „Denn wer sich nicht erinnert“, so Neumann, „ist dazu verdammt, die Vergangenheit zu wiederholen.“
Diesem Ziel schloss sich Bürgermeister Jens Fröhlich in seiner Rede an: „Wir stehen zu unserer Vergangenheit und wir gestalten bewusst unsere Zukunft. Diese Gedenkstätte ist Ausdruck unseres gemeinsamen Willens, das Geschehene sichtbar zu machen und den Opfern mit Würde, Respekt und Menschlichkeit zu begegnen“. Auch er leitete eine gesellschaftliche Aufgabe ab: „Wir unterscheiden nicht zwischen Menschen mit oder ohne Einschränkungen, mit oder ohne Migrationsgeschichte. Hautfarbe, Religion oder Herkunft trennen uns nicht, sie spiegeln die Vielfalt wider, die unsere Gesellschaft bereichert. Vielfalt ist Ausdruck von Lebendigkeit, Kreativität und Stärke. Das Gedenken an die Opfer ist kein bedrückender Ballast, sondern es ist ein Auftrag an uns, an unsere Kinder und an die kommenden Generationen, unsere Demokratie aktiv zu leben und zu schützen.“
Schülerinnen und Schüler der Ernst-Göbel-Schule verlasen die Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, für die Gunter Demnig zuvor die Stolpersteine verlegt hatte.
Daniel Neumann, Jens Fröhlich und Harald Staier legten nach einem weiteren Lied der EGS-Schülerinnen und Schüler einen Kranz an dem neuen Standort des Synagogen-Denkmals nieder und luden zur weiteren Stolpersteinverlegung an das Haus Friedrich-Ebert-Straße 2 ein, in dem der in der „Blutnacht“ am 2. März 1933 ermordete Wilhelm Fröhlich wohnhaft war.
Harald Staier berichtete über die Geschehnisse in der Nacht des 2. März 1933, in der der verheiratete Vater von zwei Kindern, Wilhelm Fröhlich, im Alter von nur 34 Jahren von Nazis erschossen wurde. Im Anschluss spielte sein Enkel Willi Fröhlich auf der Trompete die beiden Musikstücke „You raise me up“ und das „Irische Segenslied“.
Gemeinde Höchst i. Odw.
Axel Muhn
Tel. 06163/708-90

Daniel Neumann, Harald Staier und Bürgermeister Jens Fröhlich (von links) legten am neuen Standort des Synagogen-Denkmals einen Kranz zum Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger nieder.

Künstler Gunter Demnig verlegte weitere acht Stolpersteine auf dem Bürgersteig am Rand des Montmelianer Platzes.

Rund 100 Menschen kamen zur Einweihung des neuen Standorts des Synagogen-Denkmals und zur Verlegung weiterer Stolpersteine.

Schülerinnen und Schüler der Ernst-Göbel-Schule verlasen die Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, für die Stolpersteine von Gunter Demnig verlegt wurden.
