Großes Interesse an der Ausstellung „Die Blutnacht von Höchst 1933“ in der Höchster Rathaus-Galerie


Die AG Stolpersteine, die AWO Höchst, der SPD Ortsverein, das Bündnis Odenwald gegen Rechts, der DGB Odenwaldkreis und die Gemeinde Höchst i. Odw. hatten gemeinsam am 10. Februar zur Ausstellungseröffnung „Die Blutnacht von Höchst 2.3.1933“ eingeladen. Viele Bürgerinnen und Bürger haben an der Ausstellungseröffnung in der Rathaus-Galerie teilgenommen. Harald Staier sendete in seiner Begrüßungsrede auch einen Dank an den bereits verstorbenen Wolfgang Stapp, der die Ausstellung vor vielen Jahren bereits konzipiert hatte. Den Begriff Höchster Blutnacht haben Regionalhistoriker für die Ereignisse vom 2. März 1933 geprägt. Gerade einmal 31 Tage nach der Ernennung des Verbrechers Adolf Hitler zum Reichskanzler, so Staier, hatten sich demokratische Kräfte in Höchst den Nationalsozialisten entgegengestellt. Dabei wurde der Höchster SPD-Vorsitzende Wilhelm Fröhlich im Alter von 34 Jahren von SS-Männern erschossen.

Widersprechen wir denen, die uns auffordern, wir sollten uns neutral verhalten, mahnte Staier: Wer so etwas fordert verhält sich nicht neutral, sondern der unterstützt in Wirklichkeit die Verfassungs- und Demokratiefeinde. Jede und jeder von uns kann etwas dazu beitragen, dass unsere Demokratie erhalten wird. Jeder muss für Toleranz und Respekt eintreten, überall und wo immer es nötig ist, am Arbeitsplatz, im Bus, im Sportverein, in der Schule und in der Kneipe. Zivilcourage ist Bürgerpflicht, so Staier.

Zum Schluss seiner Begrüßungsrede zitierte er noch Bertolt Brecht:

„Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert

und handelt, statt zu reden noch und noch.

So was hätt einmal fast die Welt regiert!

Die Völker wurden seiner Herr, jedoch

dass keiner uns zu früh da triumphiert -

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Bertolt Brecht



 

Nach den Grußworten von Harald Staier sprach Bürgermeister Jens Fröhlich zu den Besuchern der Ausstellung. Er freute sich über die gute Resonanz der Veranstaltung und war sehr angetan davon, dass einige Angehörige von Wilhelm Fröhlich, wie dessen Enkel Wilhelm und dessen Cousine Lydia an der Ausstellungseröffnung teilnahmen.

Die Gedenkrede an Wilhelm Fröhlich übernahm der Gewerkschaftssekretär des DGB Südhessen Horst Raupp, der auch aus Höchst kommt. Als Gewerkschaftler und Sozialdemokrat und als entfernter Verwandter von Wilhelm Fröhlich hat er die Gedenkrede gerne übernommen.

Raupp ging in seiner Gedenkrede auf die Ereignisse der „Höchster Blutnacht“ und die Ermordung von Wilhelm Fröhlich ein, wie sie in der Ausstellung gezeigt werden, und machte deutlich: „Der Tod von Wilhelm Fröhlich und die vielen Millionen Opfer der Nazi-Barbarei und des Nazi-Krieges mahnen uns zur Wachsamkeit. Damit sich ein 1933 nie wiederholt.“ Am Ende seiner Rede appellierte Raupp an die Anwesenden: „Die Wahlerfolge rechtsextremer Parteien zeigen, dass nichts selbstverständlich ist – auch nicht unsere Demokratie. Es ist die gemeinsame Aufgabe aller Demokratinnen und Demokraten, Haltung zu zeigen und den menschenverachtenden Hassparolen der alten und neuen Nazis, egal ob braun oder blau, klar und deutlich zu widersprechen. Lassen Sie uns gemeinsam aktiv für die Demokratie und Menschenwürde eintreten, für die Werte unseres Grundgesetzes, für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität! Es lohnt sich!“

 

Am Ende dankte Harald Staier der Ernst-Göbel-Schule mit Lehrer Alexander Link und Schüler Adrian Geist für die musikalische Begleitung der Ausstellungseröffnung und Hausmeister Jürgen Kroll, der beim Aufbau und beim Catering eine große Unterstützung war.

Sein Dank galt auch der Gemeinde für die Unterstützung bei der Ausstellung und die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Die Ausstellung kann bis zum 10. März 2026 während der Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung besichtigt werden.